Der neue Accessibility Developer Guide (ADG) für weniger Barrieren im Internet

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Der neue Accessibility Developer Guide (ADG) für weniger Barrieren im Internet

a11y steht für Accessibility und damit auch für die Forderung, noch vielfach vorhandene Barrieren im Internet abzubauen. Mitte Juni wurde der Accessibility Developer Guide veröffentlicht, der Webentwicklern dabei helfen soll, möglichst barrierefreie Websites zu realisieren. Wir waren bei der Vorstellung dabei und geben anhand unserer Erfahrungen eine kurze Einführung in die Thematik.

Bereits vor einigen Jahren haben wir uns bei der Umsetzung und Überarbeitung verschiedener Webauftritte damit auseinandergesetzt, wie sich Websites möglichst barrierefrei programmieren lassen. Sowohl in einem Thema des Monats als auch in einem Blogbeitrag versuchten wir zudem, Ansätze aufzuzeigen, mit deren Hilfe man gewisse Hürden auf dem Weg zu einer möglichst barrierefreien Website überwinden kann.

Diese vorsichtige Formulierung ist bewusst gewählt – man ist gut beraten, nicht allzu vorschnell von einer wirklich vollumfänglich barrierefreien Website zu sprechen. Gerade für die Überarbeitung bestehender Websites ist es wichtig, Barrierefreiheit nicht als einzelnes Feature zu betrachten, das an- und ausgeschaltet, also implementiert oder auch weggelassen werden kann. Stattdessen gehören hierzu zahlreiche Massnahmen, die sich auf den Content, die Struktur wie auch das Design einer Website auswirken können, und deren Umsetzung unterschiedlich dringlich sein kann.Verglichen mit Optimierungsmassnahmen, wie denen zur Steigerung der Performance einer Website, sind Massnahmen zur Annäherung an eine barrierefreie Website ungleich vielfältiger und in der Regel nicht ganz so schnell und einfach umzusetzen. Wie wichtig Barrierefreiheit im Internet und wie weit der Weg zu einem barrierefreien Internet noch ist, hat aber zuletzt die Schweizer Accessibility-Studie 2016 der Stiftung Zugang für alle gezeigt. Nach deren Befund war 2016 noch ein nicht unerheblicher Teil der Schweizer Bevölkerung von der digitalen Welt ausgeschlossen. So entsprach beispielsweise nur einer von elf getesteten Onlineshops den erforderlichen Kriterien, bei den untersuchten Newsportalen war es sogar nur eines von 15. Auch die Websites von Hochschulen und von den Kantonen verdienten jeweils in weniger als der Hälfte aller Fälle das Testurteil “ok”.

Ein Fazit der Studie war deshalb schon vor zwei Jahren – und damit zwölf Jahre nach Inkrafttreten des Behinderungsgleichstellungsgesetzes (BehiG) -, es bleibe zu hoffen, “dass auch die privaten Anbieter von Web-Angeboten und -Dienstleistungen in der Schweiz ihre Verantwortung für eine inklusive digitale Gesellschaft erkennen und diese wahrzunehmen lernen.” (Accessibility-Studie 2016, S. 135)

Nicht selten scheiterten Versuche zu barrierefreiem Webdesign an den zahlreichen Aspekten, die es zu berücksichtigen gilt, und vermutlich auch mitunter an der unklaren Situation, was genau im Einzelfall wie umzusetzen ist.

Vor kurzem ist deshalb ein Projekt veröffentlicht worden, das Websitebetreibern und Entwicklern dabei helfen soll, Massnahmen umzusetzen, um die Nutzbarkeit ihrer Website durch einen möglichst barrierefreien Zugang zu erhöhen. Der Accessibility Developer Guide (ADG), ebenfalls initiiert von der Stiftung Zugang für alle, realisiert in Zusammenarbeit mit namhaften Webagenturen und kürzlich der Öffentlichkeit vorgestellt, hält neben grundsätzlichen Erklärungen zur Barrierefreiheit und deren Umsetzung im Webdesign auch zahlreiche Codebeispiele bereit. Dabei hat der ADG keineswegs Richtliniencharakter, sondern versteht sich als Wissensdatenbank, welche durch weitere Beiträge und stetige Qualitätssicherung durch Endnutzer-Experten noch besser und umfangreicher werden soll.

Neben konkreten Beispielen und Vorschlägen für Entwickler hält der ADG auch weitere Informationen bereit für all jene, die sich mit der Materie beschäftigen wollen, sich nicht als Webentwickler bezeichnen würden, aber dennoch beispielsweise mehr zu technischen Hintergründen oder auch Testszenarien erfahren möchten.

Alles in allem bedeutet der ADG einen grossen Schritt in Richtung eines vermehrt barrierefreien Internets – wenn ihm denn die Beachtung zuteil wird, die er verdient. Und sei es nur, dass seine Veröffentlichung  Barrierefreiheit erneut mehr in den Fokus rückt. Denn gewiss ist die Umsetzung barrierefreier Websites oder deren nachträgliche Anpassung mit Aufwand verbunden, doch sollte sich dieser in mehrerlei Hinsicht lohnen. Der Betreiber etwa eines barrierefreien Onlineshops zeigt nicht nur, dass er gesellschaftlicher Verantwortung gerecht wird, sondern erschliesst sich weitere potentielle Kundengruppen, die zuvor mitunter technisch “ausgeschlossen” worden waren.

Wenn Sie sich weiter über das Thema informieren wollen, können Sie sich auch gerne an uns wenden. Wir haben aus mehreren Projekten Erfahrung mit der Implementierung von barrierefreien Features auf Websites und können auch Ihre Website gerne prüfen. Welche Massnahmen dann zu ergreifen sind, kann individuell diskutiert und entschieden werden.