April 2018 – Alternativen zu Google Analytics

PC-Bildschirm mit Datenauswertung

Alternativen zu Google Analytics

Denkt man an Möglichkeiten, das Verhalten von Websitebesuchern zu tracken, fällt den Meisten wohl als Schlagwort Google Analytics ein. Auch wenn sie vielleicht selbst noch nicht damit gearbeitet haben, zumindest der Begriff ist geläufig. Und tatsächlich wird Google Analytics auch auf rund 86% der Schweizer Websites verwendet. Aber ist die bekannteste Lösung auch gleichzeitig die beste?

Google Analytics ist kostenlos, zumindest in der Grundversion. Wobei kostenlos hier das falsche Wort ist. Bezahlt wird mit Daten – DER Währung des 21. Jahrhunderts. Von Datenschützern wird der Einsatz von Google Analytics daher oft kritisch betrachtet. Denn beim Einsatz von Google Analytics auf einer Website gestattet der Websitebetreiber Google gleichzeitig auch, die erhobenen Daten der Websitebenutzer auf seinen eigenen Servern zu speichern. Welche Daten erfasst, wie viele gespeichert und wie sie weiterverwendet werden, ist dabei jedoch nicht immer eindeutig. Gleichzeitig können Sie selbst nur mit den von Google verarbeiteten Daten arbeiten, die eigentlichen Rohdaten werden vom IT-Riesen nicht zur Verfügung gestellt. Was damit genau passiert, ist somit alles andere als transparent. Die Methode, auf Basis derer Google Analytics seine Reports erstellt, das sogenannte Sampling, wird in einem Blogartikel auf unic.com erläutert. Wer die Vormachtstellung Googles kritisch sieht und sich nach Alternativen umschauen möchte, für den bietet unsere Liste einen ersten Input.

Matomo (ehemals Piwik)

Dies ist das wohl bekannteste Webtracking-Tool fernab von Google Analytics. Es ist Open Source und wurde seit seinem Start im September 2007 mittlerweile fast 3,5 Millionen mal heruntergeladen. Durch die Installation auf dem eigenen Server hat der Nutzer 100%-ige Kontrolle über die gesammelten Daten. Ein weiterer Vorteil: Bei Matomo greifen keine AdBlocker. Somit werden auch Daten von Nutzern mit aktiviertem AdBlocker erhoben. Generell ist die Datenmenge bei Matomo sehr umfangreich, da es keine Begrenzung in der Anzahl an getrackten Aktionen pro Monat gibt. Auch eine Analyse über einen längeren Zeitraum (>2 Jahre) ist bei Matomo möglich.

Mit seinen umfangreichen Grundfunktionen ist Matomo eine vollwertige Alternative zu Google Analytics: Echtzeitfluss der Websitebesucher, frei editierbares Dashboard, Ziel-Conversion-Tracking, Keyword-Analyse sowie Lokalisierung der Nutzer nach Land, Region und Stadt sind nur einige der Standardfunktionen. Diese können durch eine Vielzahl an Plugins – teils kostenpflichtig – erweitert werden. Auch stehen einige Integrationsmöglichkeiten zur Verfügung: Beispielsweise mit gängigen CMS wie Typo3, WordPress, Joomla und Drupal, aber auch mit Webshops und Ecommerce-Lösungen wie WooCommerce und Magento. Ebenso können CRM-Systeme, Galerien, Foren u.v.m. verbunden werden.

Die Besucherkarte in Echtzeit hebt auf einer Weltkarte die gerade eintreffenden Besucher hervor.

Die Auswertungen in Matomo sind zwar weniger umfangreich, dafür aber mit einwandfreien zugrundeliegenden Daten ohne vorherige Filterung. Was die Detailtiefe der Analyse anbelangt hängt Matomo daher seinem grossen Bruder Google Analytics etwas hinterher. Durch die Speicherung der Daten auf dem eigenen Server gelangen diese nicht in die Hände von Drittunternehmen, sondern bleiben beim Websitebetreiber. Im Hinblick auf die korrekte Umsetzung der im Mai 2018 in Kraft tretenden DSGVO (siehe Gastbeitrag zu Cookies und Datenschutz auf Websites) würden sich für diese, im Zusammenhang mit Matomo oder vergleichbaren Lösungen, allerdings auch weitere Pflichten ergeben.

Die ebenfalls für dieses Jahr angekündigte Version 4.0 von Matomo soll alle Anforderungen an die Datenschutzgrundverordnung enthalten. (Quelle: datenschutz-notizen.de)

StatCounter

Die Einbindung funktioniert ähnlich wie bei Google Analytics. Nach dem Anmelden erhält man HTML- und Javascript Snippets und fügt diese in die zu analysierende Website ein. Kommt ein Besucher auf die entsprechende Website, werden die Daten an StatCounter gesendet und dort intern verarbeitet und analysiert. Anders als bei Google Analytics hat der Websitebetreiber jedoch selbst auch Zugriff auf die nicht verarbeiteten Rohdaten. Für kleinere Websites bzw. maximal 250.000 monatliche Websiteaufrufe kann StatCounter kostenlos verwendet werden.

Haben Websitebesucher Javascript deaktiviert, so werden sie von StatCounter trotzdem getrackt. Dadurch sind, wie bei Matomo auch, umfassendere und aussagekräftigere Analysen als bei Google Analytics möglich. Diese Aussagekraft kann wiederum durch einen anderen Aspekt deutlich verwässert werden, denn: Websitebesuche von mobilen Geräten werden nicht getrackt und fliessen nicht in die Analyse mit ein. Ein nicht zu unterschätzendes Problem in Zeiten, in denen bei der Konzipierung einer Website immer stärker auf eine responsive Gestaltung Wert gelegt wird. Auch die Dauer, wie lange ein Besucher auf der Website geblieben ist, wird nicht analysiert. Somit entfällt eine weitere, teils sehr wichtige/interessante, Analysemöglichkeit.

Entfällt bei StatCounter: Google Analytics’ Ansicht der Sitzungen aufgelistet nach der jeweiligen Dauer.

Etracker

Etracker ist ein Hamburger Unternehmen und laut Hersteller zu 100% datenschutzkonform. Die Datenspeicherung erfolgt in Deutschland. Etracker steht als Webdienst zur Verfügung und kann kostenlos für ein paar Tage getestet werden. Danach stehen drei verschiedene Varianten zur Verfügung. Auf die Rohdaten kann in der Basisversion nicht zugegriffen werden, dies ist erst in den grösseren Paketen möglich. Die Basic-Variante für 19 Euro im Monat beinhaltet unter anderem:

  • Klickpfad-Analyse; auf welchen Seiten von der Einstiegs- bis zur Ausstiegsseite navigiert der Nutzer. Dies lässt sich auf Wunsch auch nach Tablet, Smartphone und Desktop oder je nach Kampagne differenzieren.
  • Analyse zahlreicher Nutzerstatistiken wie Verweildauer des Nutzers oder Seitenaufrufe pro Besuch.
  • Automatische Erkennung und Klassifizierung von Traffic nach Suchmaschinen (SEO, SEA), Social Media, Link/Referrer, Type-In.
  • Zeitraumvergleiche nach Jahr, Monat, Kalenderwoche, Wochentag und/oder Tag (Datum)

Auch wenn es eine sehr umfassende Echtzeitbetrachtung gibt, mit der sich der Seitenfluss eines Nutzers nachverfolgen lässt, fehlt es an anderer Stelle an Grundlegendem: So gibt es zum Beispiel keine Segmentierung der Besucher in neuer vs. wiederkehrender Besucher. Bei der Standortanalyse kann nur bis auf Landebene zugegriffen werden; Region und Stadt sind nicht ersichtlich. Marketing- und eCommerce relevante Features fehlen in der Basic-Variante fast gänzlich und sind erst in der Etracker Pro-Version für 49 Euro im Monat verfügbar.

Ab der Pro-Version allerdings kommen Funktionen hinzu, die es kaum in anderen Webanalysetools gibt und für die man sonst auf zusätzliche Tools zurückgreifen müsste: Zum Beispiel die Analyse der eingebundenen Formulare auf der Website, mit Reports zu Abschick- und Abbruchrate sowie Bearbeitungsdauer und Abbrüche. Dabei kann das komplette Formular bis auf Formularfeldebene hin genau analysiert werden. Wie lange hat sich der Websitebesucher mit den einzelnen Formularfeldern beschäftigt? An welcher Stelle des Formulars ist er abgesprungen? Füllen zum Beispiel Websitenutzer die Pflichtfelder Name, Vorname und E-Mail-Adresse aus, springen jedoch beim Pflichtfeld Telefonnummer grösstenteils ab, kann durch die Änderung dieses einen Formularfeldes bereits die Abschickrate positiv beeinflusst werden. Websitebetreiber erhalten so auf einen Blick Informationen dazu, an welchen Stellen des Formulars noch gearbeitet werden sollte. Ebenfalls kann die User Experience analysiert werden: So lässt sich das Scrollverhalten und die Mausbewegung der Nutzer anhand einer Motion Map aufzeigen. Die Motion Map (auch genannt Heat Map) weist die wirklichen Hot Spots aller Mausbewegungen der Besucher aus. Je länger und stärker ein Punkt durch Mausbewegungen frequentiert ist, desto heller wird dieser dargestellt. Anhand von Besucherfilmen lässt sich der gesamte Weg des Websitenutzers – wie seine Mausbewegungen verlaufen, wohin er scrollt und was er anklickt – über alle Bereiche der Website hinweg nachvollziehen.

Motion Map: Die Rot gefärbten Bereiche wurden in diesem Bild häufiger mit der Maus angesteuert als die Grün eingefärbten.

Fazit

Generell lässt sich nicht sagen, welches Tool sich für wen am besten eignet. Zum einen kommt es darauf an, ob man für das Webanalysetool zahlen möchte oder nicht. Weiterhin kommt es auf die persönlichen Fähigkeiten des Nutzers an: Für weniger IT-Affine eignet sich eine Installation auf dem eigenen Server (wie Matomo) sicher weniger als die Nutzung eines Webdienstes (wie Etracker). Auch die Frage, ob man bei Problemen einen Support kontaktieren kann oder ob es detaillierte Hilfestellungen im Internet gibt, bspw. in Form eines Forums, kann bei der Entscheidung Beachtung finden. Wiederum muss bei der Wahl schliesslich auch in den Blick genommen werden, welche Anforderungen man an das System letztendlich stellt: Ein kleine Firma mit fünf Personen hat mit Sicherheit andere Anforderungen/Ziele durch das Tracking der Website als ein KMU mit eigener Marketingabteilung. Für die Entscheidungsfindung haben wir Ihnen daher folgende Tabelle zusammengestellt, in der die jeweiligen Eigenschaften der unterschiedlichen Tools direkt miteinander verglichen werden können.

Möchten Sie Näheres zu den vorgestellten Alternativen für Google Analytics wissen? Oder nutzen Sie noch überhaupt kein Webanalysetool und möchten generelle Informationen dazu erhalten? Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns eine E-Mail! Wir helfen Ihnen gerne weiter.